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Klimakonferenz 2010 in Cancun
Bericht von Hermann Dworczak

Die dramatischen Folgen des Klimawandels, allgemein die ökologischen Gefährdungen und ihre Ursachen sind weitgehend bekannt. Notwendig wären rasche, konkrete Schritte – mit Zeitlimits und ausreichenden finanziellen Mitteln – um eben die Not, in der sich das natürliche Ambiente der Menschheit befindet, zu wenden.

Realiter passiert aber kaum etwas. Nicht vorrangig aus Dummheit oder Ignoranz – obwohl auch sie mitspielen – sondern aus wirtschaftlichen Erwägungen, wegen beinharter Profitinteressen. Der offizielle Umweltgipfel spiegelt diese Problematik voll wider.

Mehrere mexikanische Zeitungen – wie „Novedades“ oder „Por Esto!“ titelten: „Ein anderes gesellschaftliches Entwicklungsmodell ist notwendig“ oder „Es drängt!“. Es gibt dedaillierte Berichte, wie durch das Ansteigen des Meeresspiegels infolge der Erderwärmung auch die wunderschönen Karibikküsten von Cancun und generell der Halbinsel Yucatan gefährdet sind.

Und was passiert – ausser schillernden Sprechblasen? Nicht einmal die von Greenpeace geforderte Einstellung des Handels mit CO2-Emmissionszertifikaten, der nichts als blanken ökologischen Zynismus darstellt, steht bei der offiziellen Klimakonferenz zur Debatte. Der indigene Präsident Boliviens  Evo Morales wird am 9.Dezember nach Cancun kommen und erneut die hervorragenden Ergebnisse des „Cumbre de los pueblos“ zur „Rettung der Mutter Erde“ im Frühjahr dieses Jahres in Cochabamba vorstellen – in der UNO-Vollversammlung kamen sie bereits zur Sprache. Den Vorschlägen Boliviens und der anderen ALBA-Staaten droht – wie die Dinge liegen – allerdings  ein Begräbnis dritter Klasse.

Nicht weil sie zu „unvernünftig“ oder „abgehoben“ wären – im Gegenteil: sie entsprechen den realen Erfahrungen der Indigenen, die um den Raubbau am Boden, an den Wäldern oder des Wassers genau Bescheid wissen – sind diese natürlichen Ressourcen doch oft ihre einzige – Existenzgrundlage.

Die Erfahrungen und die auf ihnen basierenden – wissenschaftlich erhärteten – Vorschläge werden deshalb vom COP16-Verhandlungstisch weggewischt, weil sie nicht „ins Konzept passen“. Und dieses Konzept heisst: in den Grundlinien weitermachen wie bisher – abgefedert von einigen kleinen ökologischen Zugeständnissen (einige unverbindliche Limits für den CO2-Ausstoss, vage Versprechungen für „finanzielle Hilfen“, verstärkter Einsatz von „grüner“ Technologie, …)

Für die „Verdammten dieser Erde“ (Frantz Fanon), deren Zahl die Mehrheit der Menschheit ausmacht, heisst dies: Weiterrackern ohne Landreform; Fortsetzung des miserablen Favela-Daseins in den jetzt schon aus allen Nähten platzenden Metropolen; perspektiven- und hoffnungslose Fortsetzung von Hunger und Elend.

Weil im Moon-Palace, dem offiziellen Tagungsort, die Stimmen „von unten“ kaum zu hören sind, geschweige denn akzeptiert wird. was sie zu sagen haben, ist die Zivilgesellschaft und die politische Linke mit einer Vielzahl von Alternativforen präsent: u.a. wird am Freitag, dem 3. Dezember die Solidaritats-Karawane von „Via Campesina“, der weltgrössten Bauern- und LandarbeiterInnen-Organisation eintreffen. Am kommenden Dienstag, dem 7. Dezember findet eine internationale Großdemonstration statt. Ihre Botschaft ist eindeutig:“ System- statt Klimawandel“.

 Hermann Dworczak aus Cancun

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