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Die Angst vor den Fremden

Autorin: Käthe Kratz

Zum Anfang einige Prämissen:

*Eines der schlagkräftigsten Argumente der österreichischen Rechtsparteien ist die Ablehnung aller und alles Fremden.

*Eine wichtige Quelle dieser Ablehnung ist die Angst vor Unbekanntem.

*Eine wichtige Quelle dieser Angst vor Unbekanntem ist die Erfahrung bzw. das Gefühl, sich in der Welt nicht mehr auszukennen.

*Dem Gefühl, sich nicht mehr auszukennen, entspricht eine konkrete Realität. Markantestes Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit bzw. der Gegenwart: Die Finanz/Banken/Wirtschafts/Arbeitslosenkrise. Ein weiteres, weniger spektakuläres, dafür anhaltend Ratlosigkeit erzeugendes: die EU

*Fazit: Die politischen, ökonomischen, gesellschaftlichen Lebensbedingungen führen zu Angst, Unsicherheit, dem Gefühl „sich nicht mehr auszukennen“, hilflos „fremden Mächten“ ausgeliefert zu sein. Fremde Menschen aus fremden Ländern und Kulturen, die aus welchen Gründen auch immer in Österreich Zuflucht suchen, eignen sich vortrefflich als Projektionsflächen für diese Gefühle.

Die Fremden

Nachweise für die Fremdenfeindlichkeit in Österreich lassen sich mühelos allerorten finden. Sie schließt flächendeckend alle ein, die in welcher Weise auch immer „fremd“ sind: von afrikanischen Flüchtlingen bis zu  ihrem Machismus fröhnenden Balkanburschen, von Kopftuch-tragenden Mosliminnen bis zu ausländischen Raub- und Diebesbanden.

Die verbreiteten österreichischen Printmedien (eine Elendsgeschichte für sich!) werfen erfolgreich Nebelbomben, um nur ja keine Konturen und Differenzen sichtbar werden zu lassen. Die Regierungsparteien schwindeln sich durch: zwischen salbungsvollen Worten über das „heilige Asylrecht“ und dem Vorhaben, sämtliche AsylwerberInnen auf unbefristete Zeit einzusperren, um dem „Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung zu genügen“. Und die Rechten haben wie immer einfache Lösungen parat. Die Differenzierung zwischen den genannten Parteien und vor allem zwischen einzelnen Personen außer acht lassend, lässt sich sagen: grundsätzlich bieten sie alle die „Ausländer“ als Sündenböcke für real existierende, völlig anders gelagerte Probleme an.

Und wer sind nun die, die offen für „Ausländer raus“ eintreten? Und die, die heimlich dafür stimmen? Und die, die nicht dafür stimmen, aber trotzdem … Ihnen wurden über Jahre die Sündenböcke vorgeführt, die Sünden wurden so lange auf die Böcke geworfen, bis diese die personifizierte Sünde zu sein schienen. Bis sie Feinde waren.

Und trotzdem:

Es gibt eine Moschee mit Minarett in Telfs, im heiligen Land Tirol. Es war bekanntlich ein langer, mühsamer, Geduld und Kommunikationsbereitschaft fordernder Weg, bis Vorurteile und Aggressionen so weit abgebaut waren, dass letztlich die kulturelle Verschiedenartigkeit als Bereicherung wahrgenommen werden konnte. Aber es war möglich.

Es gibt kirchliche Institutionen, in denen unzählige Freiwillige Flüchtlinge im Rahmen ihrer Möglichkeiten versorgen.

Es gibt Gemeinden, die „ihre“ Flüchtlinge auf- und angenommen haben und auf die Straße gehen, um deren Abschiebung zu verhindern.
Usw.

Die beispielhaft angeführten Überlegungen lassen sich – in verkürzter Form – zu den Fragen bündeln:

Was können wir der „Fremdenfeindlichkeit“ in Österreich entgegensetzen?

Wie können wir dem drohenden politischen Rechtsruck entgegentreten?

Wie können wir den Angstnebel lichten

 
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