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reflexionen

Positionierung H. Fischer

Autor: Heino Fischer

 Die Universitat ist eine grossartige Anstalt.
Sie ist eine Zivilisationserrungenschaft, ein Meilenstein
in der Geschichte der  Emanzipation der Menschen.

(aus der Solidaritatserklarung von Jean Ziegler Uni Zurich 20. November 2009)

emanzipation des menschen!

ein ziel jeder politische alternative muss die herstellung politischer solidarität sein. der wunsch nach „gemeinsamkeit“ ist eine menschliche überlebensnotwendigkeit und manifestiert sich jeden tag – vom taubenzüchterverein bis zum fussballfanclub, vom gemeinsamen anzünden von silvesterraketen bis zu kochclubs, von unibesetzungen bis zu initiativen wie „plattform für soziale gerechtigkeit“.

(übrigens glaube ich mittlerweile nicht mehr, dass das ein wirklich gelungener name ist – „soziale gerechtigkeit“ ist eigentlich kein solitäres ziel, sondern ein ergebnis geänderter verhältnisse. genauso wenig bringt eine abschwächung des „bolognaprotokolls“ ohne gesellschaftliche konsquenzen eine verbesserung der studiensituation. diese verschulung des unterrichtssystems dient, genau wie unser schulsystem, nur der disziplinierung der menschen. der „erwerb von totem wissen verhilft nicht zu lebensklugheit“ [in etwa montaigne], sondern nur zur erkenntnis, dass man halt hart sein muss zu sich, wenn man weiterkommen will. das ist ja nicht falsch. entscheidend ist die gesellschaftliche zielsetzung. in diesem zusammenhang wäre es sehr hilfreich sich einmal mit mathetik [kein schreibfehler] und nicht nur mit didaktik auseinanderzusetzen.)

einer der gründe für die verzweiflung und hilflosigkeit im denken und handeln der heutigen linken ist ihre, auch aus dem zusammenbruch des „realen“ sozialismus (so sehr sie ihn auch abgelehnt haben mögen) resultierende verwirrung der erkenntnisse über die „wirklichkeit“. und ihre politischen alternativen. bisweilen komme ich mir vor wie ein einsamer fremdling, der nur mit dem schmalen schwert der eigenen mangelhaften erkenntnisse bewaffnet, sich, kämpfend um ein paar sichere tritte,  verzweifelt einen weg durch den dschungelsumpf der „linken“ selbstdarsteller/innen und befreiungsideolog/inn/en zu kämpfen versucht. weil der boden allzu schwankend ist, auf dem wir uns bewegen. (ich verwahre mich übrigens auch gegen den begriff des „raubtierkapitalismus“. „raub“tiere sorgen FÜR DAS GLEICHGEWICHT in der natur. das kann ein kapitalist gar nicht schaffen, auch wenn er wollte.)

und auch da beweist sich wieder die seltene richtigkeit eines sprichwortes: das gegenteil von gut ist gut gemeint. Den Feind erkennen, den Feind bekämpfen, zitiert jean ziegler im obig genannter solidaritätsadresse so treffend  sartre. wie aber, wenn für die einen der feind der kapitalismus ist und für die anderen das patriarchat?

wohin des wegs?

die zukunft der menschheit, so sie eine haben soll, kann weder an der emanzipation eines geschlechtes, bei gleichzeitiger schuldzuweisung an ein anderes, festgemacht werden, noch an einer „besonders zur führung geeignete„ gesellschaftliche gruppierung oder person, sondern an dem wirklich unfassbaren potential der denkenden menschheit – unter der voraussetzung, dass „der mensch dem menschen ein helfer ist“ (brecht). das die menschen solidarisch denken können hängt durchaus vom gesellschaftliche  system ab – eine solidaritätsbewegung wie die überwindung der bürokratenvariante des sozialismus wäre, in dieser historisch einmaligen form, ohne dessen solidarische grundlagen, nicht möglich gewesen! ich behaupte sogar, dass diese unblutige revolution ein hinweis über den historisch richtigen ansatz der sozialistischen länder ist. leider ist diese revolution auf halbem weg umgekehrt und hat aus der aktion eine reaktion geformt.

allemal könnte gerade diese überwindung des bürokratischen sozialismus mut machen. natürlich ist „das proletariat“ gar nicht mehr in diser form vorhanden, um die „entscheidende triebkraft“ für eine vorwärtsschreitende entwicklung der gesellschaft zu sein. aber unbestreitbar ist die tatsache, das nur 2% der bevölkerung über 80% des gesamtproduktivvermögens der erde besitzen, und wir, der fröhliche rest von 98% uns die restlichen weniger als 20% teilen dürfen, also bei aller ungleichheit politisches potential für die veränderung wären. (ich weiß schon das das eine milchmädchenrechnung ist, aber keine uninteressante.)

wenn es schreiender praktischer beispiele für den „staatsmonopolistischen kapitalismus“ bedürfte, ist die gegenwärtige bewältigung der zyklischen kapitalismuskrise ein bilderbuch des anschauungsmaterials. nun liegt es mir fern den kapitalisten vorzuwerfen das sie so handeln, wie sie handeln MÜSSEN. das überlasse ich der verkommenen sozialdemokratie und den chefetagen aller religionsgemeinschaften, die ihre aufgabe im gesundbeten unmenschlicher verhältnisse sehen und nicht in ihrer beseitigung. (wobei ich allergrößte hochachtung vor den religiösen hilfsorganisationen – nicht den „neu“christlichen missionierungsvereinen – habe, die in ihre hilfstätigkeit bewundernswerte, oft lebensbedrohliche arbeit leisten, die wir uns auf unseren relativ gesicherten schreibtischsesseln kaum vorstellen können.)

der sozialismus ist eben nicht die herrschaft einer aus der „arbeiterbewegung“ hervorgegangenen besserwisserischen bürokratenschicht, für die von dem begriff der „Diktatur des Proletariats“ nur mehr das wort diktatur übergeblieben ist (Wilhelm Reich in „Massenpsychologie des Faschismus) und die “Verstaatlichung“ mit „Vergesellschaftung“ verwechselt (W.Reich ebenda). ein entscheidender fehler, weil er die weiterentwicklung sozialistischer verhältnisse blockiert. schon brecht hat erfolglos bemerkt, …“dass der Sozialismus eine Weiterentwickung des Kapitalismus bedeutet, eine einfache Wahrheit die viele unserer Funktionäre (derDDR h.f.) noch nicht begriffen zu haben scheinen.“

dass solidarisches denken zur zeit schwierig ist liegt eben an einer entsolidarisierten gesellschaft. einer, die auf beinharter, menschenverachtender (also selbstverachtender) konkurrenz aufgebaut ist. es geht also in der tat um die EMANZIPATION DES MENSCHEN (eine formulierung, die ich übrigens zum ersten mals bei dem bewusst parteilosen Heinrich Heine gefunden habe).

dieses bewußtsein lebendig zu verbreiten ist eine real notwendige, wenn auch schwer zu verwirklichende alternative. das menschliche denken unterliegt auch dem trägheitsgesetz. auch meines, wenn ichs so recht bedenke…

der riss durch die gesellschaft geht nicht zwischen links und rechts sondern zwischen arm und reich. und schon gar nicht zwischen mann und frau.

es ist eben auch eine notwendige aufgabe die entsolidarisierung nicht auch noch zwischen die geschlechter zu tragen. das hat nur gesellschaftsstabilisierenden charakter und ist in diesem fall also reaktionär. nein, begnügen wir uns doch mit dem körperlichen unterschied zwischen den geschlechtern und dem damit durchaus verbundenen vergnügen (so es solidarisch betrachtet wird).

wozu soll ich mir den kopf darüber zerbrechen, dass ich mit einem schwanz zwischen den beinen auf die welt gekommen bin? der soll mit den ihn steuernden hormonen für die fehler in der welt verantwortlich sein? nebbich. das loch zwischen den beinen der frau ist nicht verantwortlich? a komischer gedanke!

ich möchte einfach vor einer hoffnung auf die befreiung der gesellschaft durch die frauenbewegung warnen. von maggie thatcher über tansu chiller bis mizzi fekter zeigen, dass die frauen, die mehr oder weniger an die macht kommen, genau so reaktionäre politik betreiben können, wie ihre männlichen pendants. entscheidend für das denken und handeln ist die gesellschaftliche alternative und nicht das geschlecht.

 desgleichen sehe ich meine aufgabe nicht in einer „rettung“ oder „verschönerung“ der sozialdemokratie in ihrer gegenwärtigen form. die verkommenheit dieser partei manifestiert sich gerade wieder wunderbar am beispiel des „auffanglagers“ für asylsuchende in eberau. diese dam- und herrschaften, die sich in ihrer arroganz und parlamentaren selbstgerechtigkeit ständig über bedürfnisse der bevölkerung und demokratische spielregeln hinwegsetzten schreien auf einmal populistisch nach volksbefragung. anstatt sich endlich für einen menschenwürdigen umgang mit den zum großteil verzweifelten asylwerbern einzusetzen verstärken sie noch die resentiments. und ermöglichen unserem bonsaiduce strache sich öffentlich ungestraft noch weiter rechts zu positionieren. aber ich will auch hier nicht in den fehler verfallen zu jammern, dass die vertreter des kapitalismus und dazu gehört die SPÖ zweifellos, sich so verhalten, wie es von ihren chefs erwartet wird.

es gebe noch viel zu sagen, aber ich will es fürs erste als meinen diskussionsbeitrag belassen. ich weiß, dass meine positionierung sehr „theoretisch“ ausgefallen ist, aber ich möchte, gerade weil die zeit drängt, mir zeit nehmen unseren weg abzuklären und was jede/r in unserem orchester für ein instrument spielen kann und soll.

und ich bitte, dass der von mir geforderte humor deutlich zu kurz gekommen ist.

wenn wir unsere kräfte zusammennehmen, um beratend und nicht belehrend mit dem fundus unserer erfahrung und unseres wissens an der entwicklung einer sozialistischen alternative mitzuwirken, bin ich dabei. für die Emanzipation des Menschen

 
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