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sozialpolitik

Wertedebatte nicht ohne Wertedefinition – Worüber sprechen wir?

„Leitkultur“, „unsere Werte“, „christliche Werte“ und „europäische Werte“ sind Begriffe,  die sehr oft eindeutig einer Abgrenzung von Muslimen dienen. Implizit vermitteln sie die Botschaft, dass es sich hier um grundsätzlich verschiedene Werte handele. Daher ist es wichtig, einen gesellschaftlichen Konsens über universelle Werte zu erreichen, die unabhängig von Religion und ethnischer Zugehörigkeit gelten.

Häufig findet eine Vermischung zwischen „Werten“ und „Lebensstil“ statt. Dadurch gerät leicht aus dem Blick, dass gerade Werte, wie sie durchaus in Pluralismus gelebt werden könnten, eine gemeinsame Basis der Verständigung bilden und den Schlüssel für sozialen Zusammenhalt. Ein „Wir-Gefühl“ darf nicht über Abgrenzung und Feindbilder als Mittel der Selbstvergewisserung konstruiert werden.

Islamfeindlichkeit: Eine Herausforderung für die nächsten Jahre

Die letzten Wahlen haben gezeigt, wie von populistischen Parteien eine feindselige Haltung gegenüber dem Islam und Muslimen zur Stimmenmaximierung verbreitet wird. Diese Haltung bedient sich vorhandener Vorurteile, bzw. Verallgemeinerungen und rechtfertigt somit die Diskriminierung von Musliminnen und Muslimen. Diese Diskriminierung kann sich direkt wie indirekt, mittelbar und unmittelbar niederschlagen. Die Bandbreite reicht von einer Haltung arroganter Überlegenheit gegenüber der als kulturell minderwertig eingestuften Gruppe der Muslime und ihrer Religion, die einen Umgang auf gleicher Augenhöhe verhindert bis hin zur bewussten Verringerung der Chancengleichheit sei es in Bildung, Arbeitswelt oder beim Zugang zu Wohnung und Gütern sowie bis zur physischen Gewaltanwendung als äußerster Form der Diskriminierung.  Nur eine breite gesellschaftliche Solidarität kann dieser bedenklichen Entwicklung entgegen treten. 

Begegnungen mit dem Ziel den sozialen Zusammenhalt zu stärken

Dialog muss möglichst alle gesellschaftlichen Gruppen und Schichten erreichen und sich nicht nur innerhalb eines Personenkreises bewegen, die sich ohnehin verstehen. Daher gewinnt der „Dialog des Handelns“ an immer größerer Bedeutung. Vernetzung zwischen zivilgesellschaftlichen Initiativen vor allem zur gemeinsamen effizienteren Durchführung sozialer Projekte scheint ein vielversprechender Weg, von der bloßen Feststellung gemeinsamer Werte zu deren sichtbarer und damit nutzenbringender und glaubwürdiger Transformation in den Alltag zu gelangen.

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Dipl.-Ing. Tarafa Baghajati/geboren 1961 in Damaskus/Syrien/
Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen, Trägerin des Demokratiepreises der Margaretha-Lupac-Stiftung für Parlamentarismus und Demokratie 2008/Vorstandsmitglied der „Platform for Intercultural
Europe – PIE“/Gefängnisseelsorger und Imam in Wien/Stellvertretender Obmann des Wiener Islamisches Institut für Erwachsenenbildung – WIIEB/ehemaliges Vorstandsmitglied (2001-2007) und Vizepräsident (2004-2007) von ENAR (European Network against Racism)/Mitglied des ENAR-Ehrenbeirats/

Vortragender in den Themenbereichen Migration und Integration, Antirassismus, Nahost sowie Islam und Muslime in Österreich bzw. Europa
baghajati@aon.at

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Forderungen der AK und Gewerkschaft PRO-GE zur Leiharbeit: Quoten helfen den LeiharbeiterInnen nicht

„Aktive Arbeitslose“ fordern offensive Verbesserung der Löhne von LeiharbeiterInnen

Leiharbeit zählt bei Arbeit suchenden ArbeitnehmerInnen nach wie vor zu den unbeliebtesten Beschäftigungsformen. Dennoch sind mitunter bis zu 30% der beim AMS gemeldeten Stellen bloß Leiharbeit in die viele Arbeit suchende vom AMS gegen ihren Willen mit der menschenrechtswidrigen Androhung von Totalsperren für 6 oder 8 Wochen genötigt werden.

Es ist daher erfreulich, wenn Arbeiterkammer und Gewerkschaften Leiharbeit zum Thema machen. Bedenklich ist aber, das AK und Gewerkschaft PRO-GE mit ihren am 3.5.2010 präsentierten Forderungen eher defensiv das Interessensbündel der Stammbelegschaft verteidigen und den LeiharbeiterInnen wenig bringen: Die verfassungsrechtlich wohl bedenkliche Beschränkung des LeiharbeiterInnenanteils eines Betriebes per Verordnung mit 50% wäre viel zu hoch. Auch die Pflicht zu einem Übernahmeangebot nach 6 Monaten nützt den soziale Sicherheit suchenden LeiharbeiterInnen wenig: Laut der von AK und PRO-GE selbst präsentierten Studie werden bereits jetzt rund 80% der LeiharbeiterInnen nicht länger als ein halbes Jahr bei einem Beschäftigerbetrieb beschäftigt! Dieser Prozentsatz würde sich durch die Forderung von AK und Gewerkschaft PRO-GE nur erhöhen!

Der Verein „Aktive Arbeitslose“ meint hingegen: Statt defensiver Forderungen die nur die Stammbelegschaft in trügerischer Sicherheit wähnen sollten AK und Gewerkschaften offensiv das Übel bei der Wurzel anpacken: Den Kostenvorteil den Leiharbeit den UnternehmerInnen bieten und den LeiharbeiterInnen in Form von erhöhter Erwerbsarbeitslosigkeit und fehlender Aufstiegschancen zum Nachteil gereicht.
„Was für jeden Selbständigen oder Unternehmer bei der Kostenkalkulation selbstverständlich ist, sollte für LeiharbeiterInnen bei der Lohnkalkulation selbstverständlich sein: Nämlich die Kosten auftragsfreier Zeiten einzukalkulieren“ erläutert Mag. Ing. Martin Mair, Obmann des Vereins „Aktive Arbeitslose“ seine Grundidee. Weiters: „Da Leiharbeit so wie Überstunden mit Abdeckung von Produktionsspitzen argumentiert wird, ist ein Zuschlagssystem wie bei den Überstunden gerechtfertigt.“

Der Verein „Aktive Arbeitslose“ fordert daher:

* Ausgleich des Einkommensverlustes der LeiharbeiterInnen durch Stehzeiten/Arbeitslosigkeit mit einem Leiharbeitszuschlag von 25% allgemein und von 50% für die ersten zwei Wochen.

* Doppelter Arbeitslosenversicherungsbeitrag für LeiharbeiterInnen zu zahlen durch den Beschäftigerbetrieb

* Aufgrund des Missbrauch durch Leiharbeitsfirmen Abschaffung der „einvernehmlichen“ Kündigungen für LeiharbeiterInnen, volle Lohnfortzahlung des Beschäftigerlohns in den Stehzeiten statt massiven Lohnverlust durch LeiharbeiterInnen-Kollektivvertrag

* Keine Zwangszuweisung unter Androhung des Existenzentzuges (AMS-Bezugsperren) in Leiharbeit durch das AMS (so wie es noch vor der schwarz-blauen Koalitionsregierung war)

* Schluss mit der auf Kosten der Versichertengemeinschaft arbeitenden AMS-Zwangsmaßnahmen „gemeinnützigen Leiharbeitsfirmen“

Der Verein „Aktive Arbeitslose“ erinnert die Gewerkschaften daran, dass ihre Aufgabe ist, so wie in ihrer Gründungsphase Ende des 19. Jahrhunderts die Arbeits- und Lebenssituation aller ArbeitnehmerInnen, auch der prekär und atypisch Beschäftigten sowie der Arbeit suchenden ArbeitnehemerInnen zu verbessern und nicht nur die Interessen jener, die (noch) im Boote sitzen gegenüber den anderen ArbeitnehmerInnen zu „schützen“.

Rückfragehinweis:

Mag. Martin Mair
Obmann „Aktive Arbeitslose“

kontakt@aktive-arbeitslose.at

http://www.aktive-arbeitslose.at

 
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