WIR FORDERN STEUERGERECHTIGKEIT!
Treffen am 12.1.2012
Liebe Freunde und Freundinnen,
Beim Treffen am 12. Jänner im Bildungszentrum der Arbeiterkammer wurde die neue Broschüre des FoSoG vorgestellt. Mehr als 50 Personen nahmen teil. Hier finden Sie die Broschüre „STEUERGERECHTIGKEIT JETZT!“ zum download. Eine Kurzdarstellung finden Sie hier.
Bitte machen Sie bei unserer Kampagne für „Steuergerechtigkeit jetzt!“ mit, indem Sie durch Ihre Unterschrift unsere Forderungen unterstützen (download der Unterschriftenliste) und/oder selbst eine Diskussionsveranstaltung organisieren. Bitte lassen Sie uns Ihre Bereitschaft dazu wissen, indem Sie uns eine e-mail an forumsozialegerechtigkeit@gmx.at schreiben. Sie können auch Freunde und Bekannte dazu einladen (siehe die Bereitschaftsliste).
Trautl Brandstaller, Leo Gabriel, Herbert Berger und Peter Fleissner
STEUERGERECHTIGKEIT – JETZT !
1. STEUERLICHE ENTLASTUNG DER ARBEIT
• Senkung der Lohn- und Einkommenssteuer bei kleinen und mittleren Einkommen
• Mehr als drei Stufensätze bei Lohn- und Einkommenssteuer
2. ANHEBUNG DES SPITZENSTEUERSATZES AUF 55 PROZENT
• ab einem Einkommen von 250.000 Euro
3. PROGRESSIVE BESTEUERUNG VON VERMÖGEN
• Grund und Boden zum Verkehrswert
• Wertpapiere ab 700.000 Euro
• Abschaffung der Gruppenbesteuerung und der nicht gemeinnützigen Privatstiftungen
• Wiedereinführung einer progressiven Erbschafts –und
Schenkungssteuer mit einem Freibetrag von 400.000 Euro
4. ABSCHAFFUNG DES BANKGEHEIMNISSES
5. EINFÜHRUNG EINER ALLGEMEINEN FINANZTRANSAKTIONSSTEUER
über das forum
Die aktuelle Krise, die schwerste Krise des kapitalistischen Systems seit den Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts, die wie in den Dreißiger Jahren als Finanzkrise begonnen hat , hat in der realen Wirtschaft Arbeitslosigkeit, Einkommensverluste und wachsende Armut ausgelöst. Die soziale Krise wird sich in den kommenden Monaten noch verstärken. Auch in der Klima- und Energiekrise schaffen die gegenwärtigen Regierungen der Industrieländer keinen Umschwung. Die globalen Folgen dieser Mehrfachkrise sind wachsende Verelendung in weiten Teilen Afrikas und Asiens.
Alle diese Entwicklungen haben ihre Wurzel in der ausufernden Macht des großen Kapitals, das den schrittweisen Abbau der gesetzlichen Beschränkungen und der sozialpolitischen Maßnahmen, die nach 1945 dem Kapitalismus auferlegt worden waren, durchgesetzt hat.Aus dem domestizierten Kapitalismus wurde seit 1989 ein Anarcho-Kapitalismus.
Die Wirtschaftsdoktrin des Neoliberalismus und die darauf basierende Politik der letzten 20 Jahre hat zu einer massiven Umverteilung von unten nach oben, zur Verschärfung der Einkommensunterschiede und zu einem schleichenden Abbau des Sozialstaates geführt. Das Dogma des Marktes sollte in allen Lebensbereichen – von der Gesundheit bis zu Bildung und Kultur, vom Wohnen bis zur Altersversorgung -durchgesetzt werden. Gleichzeitig hat diese neoliberale Politik eine Entsolidarisierung innerhalb der Gesellschaft und eine Aushöhlung der Demokratie durch Rücknahme aller Mitbestimmungsmodelle ausgelöst.
Die Politik hat bisher auf diese mehrfache Krise nicht reagiert. Die Ankündigung, dass die Finanzmärkte reguliert, Spekulationsgeschäfte eingedämmt und – u.a. – eine internationale Finanztransaktionssteuer eingeführt würde, wurde nicht wahr gemacht. „Business as usual“ ist die allgemeine Devise.
Auf nationaler Ebene wurden Banken mit Milliardensummen gerettet und die Konjunktur mit Investitionen in größtenteils falsche Bereiche (Beton statt Bildung) „angekurbelt“. Die schwindelerregenden Geldsummen, die der Staat für die Verursacher der Krise ausgeben hat, sollen durch massive Sparprogramme und die Einführung von Massensteuern hereingebracht werden. Die Zeche für die Krise sollen also die zahlen, die von der bisherigen neoliberalen Politik geschädigt wurden
Gegen diese Fortsetzung einer falschen Politik, durch die immer mehr gesellschaftliche Bereiche dem Markt überantwortet wurden, protestieren immer mehr Bürger/Innen. Sie wehren sich dagegen, dass nach der Krise dieselbe Politik wie vor der Krise betrieben wird, und fordern einen Richtungswechsel der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung, einen sozial-ökologischen Umbau, eine Politik mit neuen Prioritäten.
Die soziale und die ökologische Frage können nur gemeinsam gelöst werden.
„There is no alternative“ war die Devise des Neoliberalismus. Die Krise hat gezeigt, dass Alternativen notwendig sind. International hat das Nachdenken über Alternativen zum gegenwärtigen System längst begonnen. Globale Veränderungen werden aber nur stattfinden, wenn sie auf lokaler, regionaler, nationaler Ebene beginnen.
Was will das Forum Soziale Gerechtigkeit?
Die traditionellen Parteien verlieren an Einfluss und Bindekraft. Vor allem die jüngere Generation steht den Parteien und ihren Funktionären mit wachsender Skepsis gegenüber.
Sie vermissen Antworten auf grundsätzliche Fragen der gesellschaftlichen Entwicklung. Ein Trend, der schon länger anhält, aber durch die Krise zusätzlich verstärkt wird.
Die starken Gewinne der rechten und extremen Rechten bei den jungen Wählern und bei den Verlierern der „Modernisierung“, wie der Abbau des Sozialstaates euphemistisch genannt wurde, zeigt die Suche nach den „einfachen“ Antworten. Zuwanderer werden zu Sündenböcken des sozialen Abstiegs und sozialer Zukunftsängste.
Sozialwissenschaftliche Untersuchungen belegen außerdem, dass mehr als ein Drittel der Bevölkerung am System der Demokratie zu zweifeln beginnt und einen „starken Mann“ herbeiwünscht.
In dieser Situation haben sich in Österreich zahlreiche kleinere und größere Runden verschiedener ideologischer Provenienz gebildet, die Alternativen zur gegenwärtigen Politik entwickeln, diskutieren und publizieren. Viele dieser produktiven Ideen erreichen eine zu geringe, zu fragmentarische Öffentlichkeit, obwohl sie es verdienen würden, von einer größeren Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden.
Das Forum Soziale Gerechtigkeit versteht sich als Forum, also als öffentlicher Marktplatz, wo die verschiedenen Initiativen und neuen Ideen diskutiert werden. Als Plattform dient nicht nur das Internet (wo das Forum ein Weblog eingerichtet hat), sondern auch Diskussionen im realen Leben, auf Arbeitsplätzen, in Bildungsstätten und bei kulturellen Veranstaltungen, wie Lesungen, Theater, Kabarett, Musik, die sich mit der aktuellen politischen Situation auseinandersetzen.
Die Themen solcher Veranstaltungen müssen möglichst konkret sein – Einkommensverteilung in Österreich, Gerechte Steuerpolitik, Grundsicherung und gesetzliche Mindeststundenlöhne –, um nur einige aktuelle Themen zu nennen.
Weitere Themen :
Qualitatives Wachstum
Neuverteilung und neue Organisation der Arbeit
Geschlechtergerechtigkeit
Migration und Integration
Bildung –vom Kindergarten bis zur Universität
Reorganisation von Gesundheits- und Pflegesystem
Alterssicherung als staatliche Verpflichtung
Ausbau der Demokratie zur partizipativen Demokratie
Engagement für ein soziales Europa
Entwicklungspolitik und internationale Solidarität
Das Forum muss zu allen konkreten Themen in Zusammenarbeit mit Experten konkrete Vorschläge erarbeiten, um in der Öffentlichkeit ernst genommen zu werden. In manchen Bereichen liegen solche alternative Expertenvorschläge vor, in anderen Bereichen müssen sie erarbeitet werden.
Ohne Visionen, ohne Vorstellungen von einer anderen Gesellschaft wird eine solche Initiative keinen Erfolg haben. Wir sind überzeugt, dass nach dem Scheitern der klassischen „großen Erzählungen“ die Vision einer Gesellschaft von Freien und Gleichen, die in Solidarität und Frieden, im Einklang mit der Natur miteinander leben, eine auch heute noch aktuelle Utopie bleibt.
Wien, im April 2010
Kontakt:
forumsozialegerechtigkeit@gmx.at